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Fliegender Fisch

Exocoetidae

Er fliegt nicht wirklich — doch seine 400 Meter langen Gleitflüge über den Wellen, mit ausgebreiteten Flügeln bei 70 km/h, reichen aus, um jeden Räuber zu täuschen.

Fliegender Fisch (Exocoetidae)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Hornhechtartigen, Familie der Fliegenden Fische
Wissenschaftlicher NameFamilie Exocoetidae (Risso, 1827) — etwa 70 Arten in 7 Gattungen
Größe15-30 cm je nach Art, bis zu 45 cm (Cheilopogon pinnatibarbatus)
Gewicht50-500 g
GeschwindigkeitBis zu 70 km/h im Gleitflug, 55 km/h unter Wasser
Lebenserwartung4-5 Jahre
Tiefe0-20 m — streng epipelagische Art
ErnährungAllesfresser — Plankton, Ruderfußkrebse, kleine Krebstiere, Fischlarven
IUCN-StatusNicht bewertet (NE) für die Mehrzahl der Arten

PORTRÄT

Der Fliegende Fisch gehört zu den übernatürlichsten Erscheinungen des Ozeans. Vom Deck eines Tauchsafari-Boots, zwischen zwei Inseln, sieht man plötzlich eine Staffel silberner Silhouetten aus der Oberfläche schießen, die 50, 100, manchmal 400 Meter über den Wellen gleiten — Flügel ausgebreitet wie riesige Libellen — bevor sie das Wasser wieder berühren und verschwinden. Das Schauspiel ist so unwirklich, dass es in allen tropischen Seefahrerkulturen Legenden hervorgebracht hat.

Der „Flug“ des Fliegenden Fisches ist kein Schlagflug — seine Brustmuskeln reichen nicht aus, um mit den Flügeln zu schlagen. Es handelt sich um einen Gleitflug, eingeleitet durch eine intensive Beschleunigung unter Wasser (der Fisch schlägt mit über 70 Schlägen pro Sekunde seine Schwanzflosse), gefolgt von einem Start an der Oberfläche und einem Gleiten auf den ausgebreiteten Brustflossen — starr, asymmetrisch, aerodynamisch effizient. Einige Arten (die „Vierflügler“) nutzen zusätzlich vergrößerte Bauchflossen als hintere Tragflächen, was sie im Flug noch stabiler macht.

Für den Taucher ist der Fliegende Fisch kein Tauchobjekt. Er ist ein Bonus der Überfahrt — das Tier, das man von der Wasseroberfläche aus sieht, zwischen zwei Tauchplätzen, und das daran erinnert, dass der Ozean auch über Wasser voller Wunder steckt.

WIE MAN IHN ERKENNT

Der Fliegende Fisch ist im Flug unverwechselbar: Kein anderer Fisch gleitet über derart lange Strecken oberhalb der Wasseroberfläche. Die Brustflossen, im Verhältnis zum Körper unverhältnismäßig groß (sie erreichen ausgeklappt bis zu 70 % der Gesamtlänge), sind das entscheidende Erkennungsmerkmal.

Zwei Hauptgruppen:

  • Die Zweiflügler (Exocoetus) — zwei „Flügel“ (nur Brustflossen). Kürzerer Flug, geradlinigere Flugbahn. Die Gattung Exocoetus ist im Atlantik am häufigsten.
  • Die Vierflügler (Cheilopogon, Cypselurus, Hirundichthys) — vier „Flügel“ (vergrößerte Brust- und Bauchflossen). Längerer, stabilerer Flug mit möglichen Richtungswechseln. Die Gattung Cheilopogon dominiert im Indopazifik.

Unter Wasser ist der Fliegende Fisch ein kleiner, silbriger, spindelförmiger Fisch mit großen schwarzen Augen. Er schwimmt in dichten Schwärmen in den oberflächennahen Wasserschichten. Die Schwanzflosse ist asymmetrisch — der untere Lappen ist länger als der obere, was den letzten Schub beim Start ermöglicht (der untere Lappen bleibt im Wasser und vibriert, um den Flug zu verlängern).

Die Unterscheidung zwischen den Arten beruht auf der Anzahl der Brustflossenstrahlen, der Form der Bauchflossen und der Färbung der Flügel — oft durchsichtig mit dunklen oder farbigen Markierungen, die im Flug sichtbar werden.

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LEBENSWEISE

Der Fliegende Fisch ist ein streng epipelagisches Tier — er lebt in den obersten 20 Metern der Wassersäule, auf offener See, selten in Küstennähe. Er ernährt sich von Plankton und kleinen Krebstieren, die er an der Oberfläche filtert oder in den ersten Metern erbeutet.

Der Flug ist eine Anpassung gegen Fressfeinde. Der Fliegende Fisch steht auf dem Speiseplan praktisch aller pelagischen Räuber: Thunfische, Goldmakrelen, Blaue Marline, Segelfische, Makohaie und sogar Seevögel, die sie im Flug fangen. Der Gleitflug ermöglicht es ihm, die Wassersäule lange genug zu verlassen, bis der Räuber seine Spur verliert — 5 bis 10 Sekunden Gleiten genügen, um einen Thunfisch auf Höchstgeschwindigkeit abzuschütteln.

Die Mechanik des Fluges ist bemerkenswert. Der Fisch beschleunigt unter Wasser auf 55-60 km/h, indem er mit der Schwanzflosse schlägt (bis zu 70 Schläge pro Sekunde), taucht dann in einem Winkel von 15-45° auf und breitet seine Brustflossen aus. Der längere untere Lappen der Schwanzflosse vibriert während der Startphase weiter im Wasser und erzeugt zusätzlichen Auftrieb. Im Flug kann das Tier eine Höhe von 1,2 m erreichen, 50 bis 400 m weit gleiten und mehrere Flüge aneinanderreihen, indem es mit der Schwanzflosse das Wasser berührt, um erneut Geschwindigkeit aufzunehmen (Taxiing) — bis zu 12 aufeinanderfolgende Sprünge wurden beobachtet.

Die Fortpflanzung findet auf offener See statt. Die Eier, ausgestattet mit langen klebrigen Fäden, heften sich an treibende Algen (Sargassum), Treibgut und sogar Schiffsleinen. Diese Gewohnheit wurde von Fischern in der Karibik und im Pazifik ausgenutzt, die Fasermatten treiben ließen, um Eier und Jungfische einzusammeln.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Der Fliegende Fisch lässt sich nicht unter Wasser beobachten — man sieht ihn von der Oberfläche aus, vom Boot, in allen tropischen und subtropischen Gewässern der Welt. Er ist ein Begleiter der Überfahrt, kein Ziel eines Tauchplatzes.

Barbados — Karibik. Die Insel bezeichnet sich selbst als „Land des Fliegenden Fisches“ (land of the flying fish). Hirundichthys affinis ist der Nationalfisch, abgebildet auf dem Wappen, den Münzen und den Speisekarten sämtlicher Restaurants. Der Fang von Fliegenden Fischen hat dort eine jahrhundertealte Tradition. Die Bootsfahrten zwischen den Tauchplätzen an der Westküste werden von Starts begleitet.

Französisch-Polynesien — Rangiroa, Fakarava. Die Überfahrten zwischen den Motus der Tuamotu-Atolle führen durch offene Gewässer, in denen Schwärme von Fliegenden Fischen allgegenwärtig sind. Polynesische Fischer fangen sie traditionell mit Keschern, angelockt durch Fackeln in der Nacht.

Malediven. Die Überfahrten im Dhoni zwischen den Tauchplätzen der Atolle bieten täglich ein Schauspiel Fliegender Fische. Die häufigste Art ist Cheilopogon sp., erkennbar an ihren vier Flügeln und langen Gleitflügen.

Japan — Yakushima, Amami-Oshima. Der Fliegende Fisch (Tobiuo) ist ein traditionelles japanisches Gericht — als Sashimi, Tempura oder getrocknet. Die Inseln im Süden Japans (Yakushima, Amami) sind die wichtigsten Fanggebiete. Rogen des Fliegenden Fisches (Tobiko) ist weltweit ein Klassiker der Sushi-Küche.

Mittelmeer. Exocoetus volitans kommt im Mittelmeer vor, ist dort aber weniger häufig als in tropischen Gewässern. Sichtungen sind im östlichen Becken (Griechenland, Türkei, Zypern) und vor der nordafrikanischen Küste am häufigsten.

BEOBACHTUNGSKALENDER

ReisezielJFMAMJJASOND
Barbados
Französisch-Polynesien
Malediven
Japan (Yakushima)
Mittelmeer

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NATURSCHUTZ

Die Mehrzahl der Fliegenden Fischarten ist von der IUCN nicht bewertet. Ihre Häufigkeit auf offener See, ihre weite Verbreitung in tropischen und subtropischen Gewässern sowie ihre hohe Fruchtbarkeit stufen sie a priori als wenig vom Aussterben bedroht ein.

Lokale Bedrohungen bestehen. Die handwerkliche Fischerei, insbesondere auf Barbados, in Japan und Indonesien, entnimmt erhebliche Mengen. Auf Barbados sind die Fänge zwischen den 1980er- und 2000er-Jahren um 80 % eingebrochen — vermutlich aufgrund von Überfischung in Verbindung mit veränderten Strömungen (der Fisch wandert in Abhängigkeit von der Oberflächentemperatur). Lichtverschmutzung auf See lockt Fliegende Fische nachts zu Booten, wo sie leicht gefangen werden — eine traditionelle Technik, die in manchen Regionen Südostasiens industrielle Ausmaße annimmt.

Plastikverschmutzung ist eine aufkommende Bedrohung. Die Eier des Fliegenden Fisches, die sich an Treibgut heften, setzen sich heute in großer Zahl an Plastikfragmenten fest — was die Embryonen chemischen Schadstoffen aussetzt und invasive Arten über Tausende von Kilometern transportiert.

Organisationen, die Unterstützung verdienen:

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Er kann 12 Flüge hintereinander absolvieren, ohne abzutauchen. Der Fliegende Fisch gleitet nicht nur einmal — er kann mit seiner asymmetrischen Schwanzflosse die Oberfläche berühren, vibrieren, um erneut Geschwindigkeit aufzunehmen (Taxiing), und sofort wieder abheben. Dokumentierte Beobachtungen berichten von 12 aufeinanderfolgenden Sprüngen, die eine Gesamtstrecke von über 400 Metern und eine Flugdauer von 45 Sekunden abdecken. Das entspricht — auf den Menschen übertragen — einem 400-Meter-Sprint mit anschließendem 4-Kilometer-Gleitflug.

2. Seine Eier liegen auf Ihrem Sushi. Die kleinen orangefarbenen, knackigen und leicht salzigen Kügelchen, die California Rolls und Gunkan in allen Sushi-Restaurants der Welt zieren, sind Eier des Fliegenden Fisches — der Tobiko. Nahezu der gesamte weltweit konsumierte Tobiko stammt aus der japanischen und indonesischen Fischerei. Die farbigen Varianten (grün, schwarz, rot) werden mit Wasabi, Tintenfischtinte oder Chili eingefärbt.

3. Die US-Armee studierte seinen Flug für die Raketenentwicklung. In den 1940er-Jahren filmte und analysierte die US-Marine den Flug des Fliegenden Fisches, um die Prinzipien des Tiefflugs über Wasser zu verstehen. Die Forschungen trugen zur Entwicklung seefliegender Antischiffsraketen (sea-skimming missiles) und Tragflügelbooten bei. Die NASA untersuchte ebenfalls die Hydrodynamik der asymmetrischen Schwanzflosse für Anwendungen im Bereich der Schiffsantriebe.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Fliegende Fisch wird vom Deck eines Bootes aus fotografiert — es handelt sich um Oberflächenfotografie, nicht um Unterwasserfotografie.

Objektiv. Teleobjektiv 100-400 mm. Der Fisch ist schnell (70 km/h) und fliegt tief (selten über einem Meter). Ein stabilisiertes Zoom ist nahezu unverzichtbar. Mit dem Smartphone werden die Ergebnisse dürftig ausfallen — das Motiv ist zu klein und zu schnell.

Einstellungen. Verschlusszeit mindestens 1/2000 s, Dauer-AF, Serienbildmodus. Bewegungsunschärfe ist der Feind. Hohe ISO-Werte ohne Zögern — tropisches Licht ist großzügig. Den Modus Blendenautomatik (S/Tv) bevorzugen.

Position. Am Heck oder an der Seite des Bootes positionieren, in Fahrtrichtung. Fliegende Fische starten oft als Reaktion auf die Bugwelle — sie fliegen seitlich ab, was die besten Profilansichten mit ausgebreiteten Flügeln bietet. Gegenlicht (Sonne hinter dem Motiv) erzeugt schöne durchscheinende Silhouetten.

Video. Zeitlupe ist spektakulär. Bei 240 Bildern pro Sekunde sieht man deutlich den Schwanzflossenschlag unter Wasser, den Start, das Ausbreiten der Flügel und die Sprünge über die Oberfläche. Es ist das dankbarste Format für dieses Motiv.

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