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Makohai

Isurus oxyrinchus

Der schnellste Hai des Ozeans wird niemals langsamer.

Makohai (Isurus oxyrinchus)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Makrelenhaie, Familie der Makrelenhaie
Wissenschaftlicher NameIsurus oxyrinchus (Rafinesque, 1810)
GrosseBis zu 4 m (Durchschnitt: 2,5-3,2 m)
GewichtBis zu 570 kg (Durchschnitt: 60-135 kg)
GeschwindigkeitBis zu 74 km/h in der Spitze — der schnellste Hai der Welt
Lebenserwartung28-35 Jahre
TiefeOberflache bis 740 m, meist zwischen 0 und 150 m
ErnahrungPelagischer Rauber — Knochenfische (Thunfische, Schwertfische, Bonitos), Kopffusser, andere Haie
IUCN-StatusStark gefahrdet (EN) — weltweiter Bestandsruckgang

PORTRAT

Es gibt Haie, die man bewundert, andere, die man furchtet. Den Mako respektiert man. Er ist ein biologisches Geschoss: ein torpedoformig stromlinienformiger Korper, eine Haut von intensivem metallischem Blau und eine Antriebskraft, die ihn mit 74 km/h in der Spitze zum schnellsten Hai des Planeten macht. Er hat nicht die Masse des Weissen Hais und nicht die Aura des Tigerhais, doch kein anderer Hai vereint in diesem Mass Geschwindigkeit, Intelligenz und rohe Anmut.

Isurus oxyrinchus — der Kurzflossen-Mako — gehort zur Familie der Makrelenhaie, derselben wie der Weisse Hai und der Heringshai. Wie sie besitzt er ein bei Fischen einzigartiges System der Endothermie: Ein Netzwerk von Warmetauschern namens Rete mirabile ermoglicht es ihm, die Temperatur seiner Muskeln, Augen und seines Gehirns bis zu 7 Grad Celsius uber der Wassertemperatur zu halten. Diese bei Haien seltene Fahigkeit verschafft ihm einen entscheidenden Vorteil: stets warme, stets einsatzbereite Muskeln in Gewassern, in denen seine Beute durch die Kalte verlangsamt wird.

Sportfischer kennen ihn gut. Der Mako gehort zu den begehrtesten Sportfischen weltweit — wegen seiner Geschwindigkeit, seiner Kampfkraft und seiner spektakularen Sprunge aus dem Wasser, manchmal uber 6 Meter hoch. Ernest Hemingway machte ihn zum Gegenspieler des alten Mannes in Der alte Mann und das Meer, und dieses Bild des Hais, der nicht loslasst, haftet ihm bis heute an.

WIE MAN IHN ERKENNT

Der Mako gleicht keinem anderen Hai, sofern man ihn lang genug sieht. Seine Schnauze ist konisch, spitz, fast aerodynamisch — das griechische Wort oxyrinchus bedeutet ubrigens "spitze Nase". Der Korper ist spindelformig, hydrodynamisch, ohne ein Gramm Uberfluss: Jede Linie dieses Hais wurde durch 45 Millionen Jahre Selektion auf Geschwindigkeit geformt.

Die Farbung ist charakteristisch: ein tiefes metallisches Blau auf dem Rucken und den Flanken, ubergehend in makellos weissen Bauch. Die Abgrenzung ist scharf, fast wie mit dem Messer geschnitten — eine perfekte Konterschattierung, die ihn sowohl von oben (blau auf blau) als auch von unten (weiss gegen die beleuchtete Oberflache) nahezu unsichtbar macht. Im klaren Wasser, unter der Sonne, ist dieses Blau von einer Intensitat, die kein Foto wirklich einfangt.

Die Zahne sind das zweite unverwechselbare Merkmal. Dunn, gebogen, nicht gezackt, ragen sie selbst bei geschlossenem Maul aus dem Kiefer — ein permanentes und wenig beruhigendes Lacheln. Die Brustflossen sind kurz im Verhaltnis zum Korper (daher der englische Name: shortfin), und die Schwanzflosse ist fast symmetrisch halbmondformig — ein Merkmal, das er mit Thunfischen und Schwertfischen teilt, seinen Lieblingsbeutetieren und Geschwindigkeitsrivalen.

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LEBENSWEISE

Der Mako ist ein Einzelganger der Hochsee. Pelagisch und weit wandernd, legt er betrachtliche Distanzen zuruck: Ein in den USA markiertes Individuum wurde in Portugal wiedergefunden, 7 500 km entfernt. Er folgt den Stromungen, den warmen Wassermassen (12 bis 25 Grad Celsius bevorzugt) und den Beutekonzentrationen — vor allem schnelle Fische wie Thunfische, Bonitos, Makrelen und Schwertfische.

Sein Speiseplan sagt viel uber ihn aus. Einen Schwertfisch zu jagen bedeutet, ein 200 kg schweres Tier zu verfolgen, das 100 km/h schwimmen kann und mit einem schneidenden Schnabel bewaffnet ist. Narben von Schwertfisch-Schwertern werden haufig bei gefangenen Makos festgestellt — Beweis dafur, dass diese Duelle haufig und gewaltsam sind. Um sie zu gewinnen, greift der Mako von unten an und zielt auf den Schwanzstiel seiner Beute, um ihr den Antrieb zu nehmen, bevor er sie verzehrt.

Die Fortpflanzung ist langsam, was die Verwundbarkeit der Art massgeblich erklart. Das Weibchen erreicht die Geschlechtsreife erst mit etwa 18 Jahren, das Mannchen mit etwa 8 Jahren. Die Tragzeit dauert 15 bis 18 Monate. Jeder Wurf umfasst 4 bis 25 Junge (im Durchschnitt 12), die bei der Geburt bereits 70 cm messen. Die Art ist ovovivipar mit Oophagie: Die am weitesten entwickelten Embryonen ernahren sich von den unbefruchteten Eiern im Uterus — ein intrauteriner Kannibalismus, den man auch beim Weissen Hai findet.

Der Mako gehort auch zu den wenigen Haien, die Sprunge aus dem Wasser ausfuhren (Breaching). Diese spektakularen Sprunge — bis zu 6 Meter uber die Oberflache — scheinen entweder mit der Jagd (Desorientierung der Beute) oder der Beseitigung von Parasiten zusammenzuhangen.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Der Mako ist kein Riffhai. Ihn beim Tauchen zu beobachten erfordert, aufs offene Meer hinauszufahren, oft mit einem spezialisierten Boot und einem kontrollierten Anfutterungsprotokoll. Zufallige Begegnungen gibt es, aber sie sind selten und kurz — der Mako trödelt nicht.

Azoren — Offshore-Banke. Der portugiesische Archipel ist eines der besten Reiseziele weltweit fur den Mako beim Tauchen. Die tiefen, thunfischreichen Gewasser vor Faial, Pico und Sao Miguel ziehen die Makos von Juni bis Oktober an. Mehrere Anbieter bieten Ausfabrten im Kafig oder im offenen Wasser mit kontrollierter Anfutterung an. Die Sicht im offenen Wasser ist oft ausgezeichnet (20-30 m), und Begegnungen mit Individuen von 2,5 bis 3,5 m sind regelmasig.

Sudafrika — vor Cape Point. Die Westkuste des Kaps, in den kalten und nahrstoffreichen Gewassern des Benguela-Stroms, beherbergt eine residente Mako-Population. Die Ausfabrten starten von Simon's Town oder Hout Bay, oft kombiniert mit Blauhai-Beobachtungen. Die Saison lauft von November bis Juni, mit einem Hohepunkt im Februar-April. Das Wasser ist kalt (14-18 Grad Celsius) und die Sicht wechselnd (5-15 m), aber die Begegnungen sind haufig und die Individuen oft von stattlicher Grosse.

Neuseeland — Poor Knights Islands und Nordkuste. Die gemassigten Gewasser der Nordinsel empfangen saisonale Makos von Januar bis Mai. Die Poor Knights Islands, ein geschutztes Meeresreservat, bieten eine spektakulare Kulisse. Die Anbieter von Tutukaka und Whitianga bieten Ausfabrten im offenen Wasser an. Neuseeland ist einer der wenigen Orte, an denen der Mako regelmasig in relativ kustennahen Gewassern beobachtet wird.

Mexiko — Baja California. Die Gewasser vor Cabo San Lucas und der Magdalena-Bucht im Kalifornischen Strom konzentrieren die Makos von Oktober bis Marz. Mehrere Anbieter von La Paz und Cabo San Lucas bieten gezielte Ausfabrten an.

USA — Rhode Island und Montauk. Die amerikanische Nordostkuste, von Montauk (Long Island) bis Point Judith (Rhode Island), ist ein historischer Hotspot des Makos. Die Saison ist kurz — Juni bis September --, aber die Konzentrationen konnen dicht sein, angezogen von den Makrelen- und Rotem-Thun-Schwarmen des Golfstroms.

BEOBACHTUNGSKALENDER

ReisezielJFMAMJJASOND
Azoren (Faial/Pico)
Sudafrika (Cape Point)
Neuseeland (Poor Knights)
Mexiko (Baja California)
USA (Rhode Island/Montauk)

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NATURSCHUTZ

Isurus oxyrinchus ist seit 2019 auf der Roten Liste der IUCN als Stark gefahrdet (EN) eingestuft. Die Art wurde im selben Jahr in Anhang II des Washingtoner Artenschutzubereinkommens (CITES) und in Anhang I der Bonner Konvention (CMS) aufgenommen. Diese Schutzmassnahmen sind jung — und sie kommen spat.

Der Mako ist der weltweit am starksten befischte pelagische Hai. Sein Fleisch, das unter dem Namen "Kalbfleisch des Meeres" vermarktet wird, ist in Europa und Asien begehrt. Seine Flossen erzielen hohe Preise auf dem asiatischen Markt. Und die Sportfischerei, die bevorzugt die grossen, fortpflanzungsfähigen Individuen anvisiert, verscharft den Druck auf eine Art, deren Fortpflanzung bereits langsam ist: Ein Weibchen beginnt erst mit 18 Jahren, sich fortzupflanzen, und bringt nur alle drei Jahre einen Wurf hervor.

Im Nordatlantik ist die Population in drei Generationen um etwa 50 % zuruckgegangen. Die ICCAT, die Organisation, die die Bestande von Thunfischen und verwandten Arten im Atlantik verwaltet, hat trotz wiederholter wissenschaftlicher Gutachten Jahre gebraucht, um verbindliche Quoten durchzusetzen.

Der Beifang stellt eine erhebliche Bedrohung dar: Der Mako wird haufig in Langleinen gefangen, die fur Thunfisch und Schwertfisch bestimmt sind. Selbst wenn er freigelassen wird, hat ein durch Stunden des Kampfes an der Leine erschopftes Individuum eine hohe Sterblichkeitsrate nach dem Fang.

Wer als Taucher einen Mako auf See sichtet, sichtet ein bedrohtes Tier. Jede Beobachtung ist ein Privileg — und ein weiteres Argument fur den Schutz einer Art, deren lebendiger Wert fur den Okotourismus ihren toten Wert auf einer Ladentheke unendlich ubersteigt.

Organisationen, die man unterstutzen kann:

  • Shark Trust — Kampagnen zum Schutz pelagischer Haie im Atlantik und Mittelmeer
  • IUCN Shark Specialist Group — wissenschaftliche Bestandsbewertung und Managementempfehlungen
  • Shark Spotters — sudafrikanisches Programm fur das Zusammenleben von Haien und Menschen
  • PADI AWARE — Citizen-Science-Programm, Meldung von Sichtungen

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Er sieht im Dunkeln — und in Farbe. Der Mako besitzt eine aussergewohnliche Dichte von Stabchenzellen in seiner Netzhaut, was ihm eine beeindruckende Nachtsicht verleiht. Im Gegensatz zu den meisten Haien besitzt er aber auch Zapfenzellen — was bedeutet, dass er wahrscheinlich Farben unterscheidet, ein entscheidender Vorteil, um das Glitzern eines Thunfischs im tiefen Blau zu erkennen. Kombiniert mit der Endothermie, die seine Augen uber der Umgebungstemperatur halt, verfugt er uber ein Sehsystem, das bei Haien seinesgleichen sucht.

2. Er ist dem Weissen Hai naher verwandt, als man denkt. Die genetische Analyse hat gezeigt, dass der Mako und der Weisse Hai sehr nahe Verwandte innerhalb der Familie der Makrelenhaie sind. Ihr gemeinsamer Vorfahre lebte vor etwa 45 Millionen Jahren. Beide Arten teilen die Endothermie, die intrauterine Oophagie und eine bei Haien ungewohnliche Intelligenz: Versuche in Gefangenschaft haben gezeigt, dass der Mako lernt, geometrische Formen zu unterscheiden und sein Verhalten aufgrund von Belohnungen andert — ein kognitives Niveau, das mit dem von Meeressaugern vergleichbar ist.

3. Seine Nase ist ein Meisterwerk der Aerodynamik. Die konische Form der Makoschnauze ist nicht nur asthetisch. Forscher haben nachgewiesen, dass die Hautzahnchen, die seine Haut bedecken, flexibel sind und sich beim Schwimmen aufrichten, wodurch der Widerstand um fast 10 % reduziert wird. Diese Entdeckung hat Forschungen in der Luftfahrttechnik angeregt — die Haut des Makos wird buchstablich untersucht, um effizientere Flugzeugbeschichtungen zu entwickeln.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Mako ist eines der schwierigsten und zugleich lohnendsten Unterwassermotive. Seine Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit machen ihn zu einer standigen technischen Herausforderung — doch ein gelungenes Bild eines Makos im offenen Wasser ist ein Bild, das nur wenige Fotografen vorweisen konnen.

Objektiv. Weitwinkel ist Pflicht: 15-20 mm Rectilinear oder Fisheye im Gehause. Die Versuchung des Teleobjektivs ist gross — das Tier ist oft auf Distanz --, doch der Mako warnt nicht, wenn er naher kommt. Wenn der nahe Durchgang eintritt und man mit 70 mm fotografiert, wird man nur ein verschwommenes Flankenstuck im Bild haben. Mit einem Fisheye hat man das gesamte Tier im Bild, selbst auf 2 Meter.

Licht. Der Mako begegnet einem im offenen Wasser, oft zwischen 5 und 20 Metern. Das naturliche Licht ist der beste Verbundete, um das metallische Ruckenblau wiederzugeben. Blitzgeräte sind nutzlich fur Nahaufnahmen, aber Vorsicht vor Reflexionen auf der glatten Haut — Leistung dosieren oder einen Diffusor verwenden. Gegenlicht ergibt spektakulare Silhouetten, besonders mit der halbmondformigen Schwanzflosse vor dem Blau.

Annaherung. Man nahert sich einem Mako nicht — man macht sich verfugbar und lasst ihn kommen. Die meisten Tauchbeobachtungen erfolgen mit einem Koder an der Oberflache: Der Hai kreist, nahert sich, entfernt sich. Die nahen Durchgange sind kurz — oft 2 bis 5 Sekunden. Den Reflex kultivieren: in Schussposition sein, bevor er ankommt, nicht wenn er vorbeikommt.

Klassischer Fehler. Dem Hai nachjagen. Der Mako schwimmt 25-30 km/h im Reisemodus. Ein Taucher, selbst mit aller Kraft flosselnd, kommt auf 3 km/h. Jeder Verfolgungsversuch ist nicht nur vergeblich, sondern kontraproduktiv: Die Unruhe vertreibt das Tier.

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