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Blauer Seestern

Linckia laevigata

Ein elektrisches Blau auf dem Riff — und die Fähigkeit, aus einem einzigen abgerissenen Arm ein neues Tier entstehen zu lassen.

Blauer Seestern (Linckia laevigata)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Valvatida, Familie der Ophidiasteridae
Wissenschaftlicher NameLinckia laevigata (Linnaeus, 1758)
GrößeBis zu 30 cm Durchmesser (Durchschnitt: 20-25 cm)
Anzahl der Arme5 (selten 4 oder 6)
LebenserwartungEtwa 10 Jahre
TiefeVon der Gezeitenzone bis 60 m, meist zwischen 1 und 20 m
ErnährungDetritivorBiofilm aus Algen, Mikroorganismen, organischer Detritus
IUCN-StatusNicht bewertet (NE) — doch massenhaft für den Souvenirhandel gesammelt

PORTRÄT

Auf einem Korallenriff im Pazifik erkennt man ihn aus der Ferne. Die Farbe genügt: ein intensives Kobaltblau, fast unwirklich, auf dem Substrat liegend wie ein Gegenstand, den ein zerstreuter Maler dort vergessen hat. Linckia laevigata ist vermutlich der meistfotografierte Seestern der Tropen — und der am unmittelbarsten wiedererkennbare.

Fünf glatte, zylindrische Arme gleicher Länge strahlen von einer unauffälligen Zentralscheibe aus. Keine Zangen, keine sichtbaren Stacheln, kein komplexes Muster: Die Oberfläche ist gleichmäßig glatt, bedeckt mit kaum wahrnehmbaren feinen Körnungen. Die gesamte Identität des Tieres liegt in seiner Farbe — einem Blau, das nichts anderem auf dem Riff gleicht.

Dieses Blau ist kein Pigment im klassischen Sinne. Es wird von einer Verbindung namens Linckiacyanin erzeugt, die der Gattung Linckia eigen ist, und wird durch Tiefe, Ernährung und die Genetik des einzelnen Tieres moduliert. Manche Populationen tendieren ins Violette, andere ins Türkise; einige seltene Exemplare sind orange, olivgrün oder sogar rosa. Doch das elektrische Blau bleibt die Regel — und es ist dieses Blau, das ihn zum Star der indopazifischen Riffe macht.

WIE MAN IHN ERKENNT

Der Blaue Seestern ist kaum mit etwas anderem zu verwechseln. Seine Farbe unterscheidet ihn von sämtlichen anderen Arten seines Lebensraums. Auf einem Hintergrund aus brauner Koralle oder weißem Sand springt er auf mehrere Meter Entfernung ins Auge.

Die Silhouette entspricht einem klassischen fünfstrahligen Stern, doch die Arme sind länger und schlanker als bei den meisten gewöhnlichen Seesternen. Sie sind im Querschnitt nahezu zylindrisch, an den Spitzen leicht verjüngt, und ihre Oberfläche ist glatt — ohne die markanten Stacheln oder Höcker, die viele andere Arten tragen. Die Zentralscheibe ist im Verhältnis zur Gesamtspannweite klein.

Die Unterseite ist heller, durchzogen von Ambulakralfurchen, aus denen Hunderte von Ambulakralfüßchen — kleine Röhren mit einem Saugnapf an der Spitze — hervortreten, die das Tier zur Fortbewegung und zum Haften am Untergrund nutzt. Man erkennt sie gut, wenn man das Tier vorsichtig umdreht (was man besser unterlässt — siehe weiter unten).

Die häufigste Verwechslung besteht mit Linckia guildingi, einer verwandten Art in der Karibik, die blau sein kann, aber eher ins Violette oder Braune tendiert. Im Indopazifik teilt keine andere Art dieses gesättigte Blau.

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LEBENSWEISE

Linckia laevigata ist ein langsames, unauffälliges und sesshaftes Tier. Es verbringt den Tag auf harten Oberflächen des Riffs — Korallenplatten, abgestorbenen Korallenblöcken, Felsen — und legt auf der Suche nach Nahrung nur wenige Meter am Tag zurück.

Seine Ernährung ist bescheiden. Der Blaue Seestern ernährt sich vom Biofilm, der harte Oberflächen überzieht: eine Mischung aus Mikroalgen, Bakterien und sich zersetzendem organischem Material. Er stülpt seinen Magen auf das Substrat, verdaut den biologischen Film an Ort und Stelle und zieht den Magen dann wieder ein. Diese Art der externen Verdauung ist bei den meisten Seesternen üblich, doch hier beschränkt sie sich auf Detritus — das Tier greift weder lebende Korallen noch Muscheln an.

Die Regenerationsfähigkeit von Linckia laevigata gehört zu den spektakulärsten Phänomenen im Tierreich. Der Seestern kann nicht nur einen verlorenen Arm nachwachsen lassen — bemerkenswert ist vielmehr, dass ein abgerissener Arm einen vollständigen Körper regenerieren kann, sofern er einen Teil der Zentralscheibe behält. Man beobachtet auf den Riffen regelmäßig asymmetrische Exemplare: ein großer Arm, der vier kleine, nachwachsende Arme trägt — eine Form, die Biologen als „Komet" bezeichnen. Die vollständige Regeneration dauert etwa ein Jahr.

Die Fortpflanzung kann geschlechtlich erfolgen — Abgabe von Gameten ins Wasser, externe Befruchtung, planktonische Larve — oder ungeschlechtlich, durch Autotomie eines Arms, der zu einem neuen Individuum wird. Diese doppelte Strategie erklärt zum Teil die Häufigkeit der Art auf gesunden Riffen.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Der Blaue Seestern besiedelt den gesamten tropischen Indopazifik, von den ostafrikanischen Küsten bis zu den Inseln des zentralen Pazifik. Im Atlantik und in der Karibik fehlt er. Hier die Reiseziele, an denen er am häufigsten und am leichtesten beim Tauchen zu beobachten ist:

IndonesienRaja Ampat und Komodo. Die Riffe von Raja Ampat beherbergen einige der höchsten Dichten von Linckia laevigata weltweit. Man begegnet ihm bei praktisch jedem Tauchgang, auf den Riffplateaus oder den flachen Riffhängen. In Komodo zählen Tauchplätze wie Batu Bolong, Crystal Rock und Manta Alley Dutzende pro Tauchgang, oft in geringer Tiefe auf Hartkorallen.

PhilippinenVisayas. Die Riffe rund um Bohol, Cebu, Negros und Siquijor sind mit Blauen Seesternen übersät. Sie sind besonders sichtbar an den flachen Steilwänden von Apo Island, Balicasag und entlang der Seegraswiesen von Moalboal. Die Art ist so verbreitet, dass sie zur festen Kulisse philippinischer Tauchgänge gehört.

Malediven. Auf den meisten Riffen des Archipels anzutreffen, besonders häufig auf den Thilas und den Außenhängen der Atolle. Man erkennt ihn leicht bei Strömungstauchgängen, auf Korallenblöcken in 5 bis 15 m Tiefe.

Great Barrier ReefAustralien. Die Art ist auf dem gesamten Great Barrier Reef verbreitet, von den küstennahen Riffen bis zu den Sandbänken im offenen Meer. Sie ist einer der auffälligsten Seesterne auf den Riffplateaus, wo sie gegen braune Korallen und weißen Sand kontrastiert.

Rotes MeerÄgypten. Linckia laevigata kommt im Roten Meer vor, wenn auch weniger häufig als in Südostasien. Man begegnet ihm auf den Saumriffen der ägyptischen Küste und in den südlichen Meeresnationalparks, wo die Klarheit des Wassers ihn besonders fotogen erscheinen lässt.

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Hinweis: Der Blaue Seestern ist ein sesshaftes Tier, das ganzjährig auf den Riffen anzutreffen ist, die er besiedelt. Der Kalender spiegelt die besten Tauchbedingungen pro Reiseziel wider, nicht die Saisonalität der Art selbst.

NATURSCHUTZ

Linckia laevigata ist von der Roten Liste der IUCN nicht bewertet (NE), was weder bedeutet, dass es ihm gut geht, noch dass er bedroht ist — lediglich, dass die formelle Bewertung nicht durchgeführt wurde. Die Art ist in keinem internationalen Schutzabkommen gelistet.

Die direkteste und am besten dokumentierte Bedrohung ist das Sammeln für den Souvenirhandel. Jährlich werden Millionen Blauer Seesterne von den Riffen Südostasiens entnommen, getrocknet und an Touristen verkauft — auf Küstenmärkten, in Flughafenläden und im Internet. Ihr leuchtendes Blau, das nach dem Trocknen teilweise erhalten bleibt, macht sie zu einem der am stärksten ausgebeuteten marinen Wirbellosen im Ornamenthandel. Die Art wird auch lebend für den Markt der Meerwasser-Aquaristik gesammelt, obwohl sie in Gefangenschaft selten überlebt — ihre Biofilmernährung ist im Aquarium praktisch nicht nachzubilden.

Auf lokaler Ebene können intensive Entnahmen die Populationen auf häufig besuchten Riffen sichtbar dezimieren. Mehrere Studien auf den Philippinen und in Indonesien haben deutlich geringere Dichten auf Riffen in der Nähe touristischer Gebiete im Vergleich zu geschützten Riffen nachgewiesen.

Die übrigen Bedrohungen sind jene, die auf allen Riffbewohnern lasten: Korallenbleiche, Sedimentation, Küstenverschmutzung und Ozeanversauerung. Die Zerstörung des Korallenlebensraums reduziert automatisch die Fläche, die für den Biofilm zur Verfügung steht, von dem die Art abhängt.

Der verantwortungsvolle Taucher berührt keine Seesterne, dreht sie nicht für ein Foto um und kauft sie niemals getrocknet. Das sind einfache Gesten, doch bei Millionen von Tauchern und Touristen machen sie einen messbaren Unterschied.

Organisationen, die Unterstützung verdienen:

  • Reef Check — weltweites Programm zur Riffüberwachung durch Freiwillige
  • Coral Triangle Initiative — Schutz der Riffe des Korallendreiecks (Indonesien, Philippinen, Malaysia, Papua-Neuguinea, Salomonen, Timor-Leste)
  • Project AWARE — Sensibilisierung von Tauchern für den Schutz der Meeresumwelt

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Ein einzelner Arm kann ein vollständiges Tier hervorbringen. Die meisten Seesterne können einen verlorenen Arm regenerieren — doch Linckia laevigata geht weitaus weiter. Ein abgetrennter Arm kann unter bestimmten Bedingungen, auch ohne ein Fragment der Zentralscheibe, die vier anderen Arme und sämtliche inneren Organe nachwachsen lassen. Das Zwischenergebnis — ein großer Arm mit winzigen Knospen — sieht aus wie ein Komet mit Schweif. Es ist einer der extremsten Fälle von Regeneration im Tierreich und hat die Forschung in der regenerativen Medizin inspiriert.

2. Sein Blau existiert nirgendwo sonst in der marinen Natur. Das für seine Farbe verantwortliche Pigment, das Linckiacyanin, ist ein modifiziertes Carotinoid, das ausschließlich der Gattung Linckia eigen ist. Kein anderes bekanntes Meerestier produziert es. Es handelt sich weder um ein Strukturblau (wie beim Mandarinfisch) noch um ein gängiges Pigment (wie Melanin) — es ist ein einzigartiges Molekül, dessen Syntheseweg noch nicht vollständig aufgeklärt ist.

3. Er sieht ohne Augen — fast jedenfalls. Linckia laevigata besitzt keine Augen im klassischen Sinne, doch jeder seiner fünf Arme trägt an seiner Spitze ein Ocellus — eine Ansammlung lichtempfindlicher Zellen, die Licht und Schatten wahrnehmen kann. Der Seestern bildet kein Bild ab, aber er unterscheidet Tag von Nacht, nimmt die Richtung des Lichts wahr und kann sich zu den schattigen Bereichen des Riffs orientieren. Fünf rudimentäre Sensoren, sternförmig verteilt: eine elegante Lösung für ein Tier ohne Kopf und ohne Gehirn.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Blaue Seestern ist ein fotografisch fast zu einfaches Motiv — und genau das ist die Falle. Jeder kommt mit demselben Foto zurück: ein blauer Stern auf brauner Koralle, von oben aufgenommen, korrekt belichtet und langweilig. Um es besser zu machen, muss man in Komposition denken.

Objektiv. Makro oder Semi-Makro idealerweise — 60 mm oder 100 mm Makro bei Spiegelreflex/Spiegelloser, Makromodus bei Kompakt- oder GoPro-Kamera. Das Weitwinkel bringt nur dann etwas, wenn der Seestern vor einer spektakulären Kulisse liegt (Steilwand, Gorgonie, Fischschwarm im Hintergrund). Ansonsten zeigt das Makro die körnige Oberflächentextur und die Intensität des Blaus.

Licht. Blitz oder Leuchten sind nahezu unverzichtbar. Das Blau von Linckia absorbiert die roten Wellenlängen — ohne Kunstlicht wirkt der Seestern ab 5-6 m Tiefe matt und dunkel. Ein Blitz lässt die Farbe explodieren. Zwei kleine Videoleuchten erzielen denselben Effekt als Dauerlicht.

Komposition. Auf Augenhöhe des Motivs hinuntergehen — die 90°-Draufsicht ist die banalste Perspektive. Sich flach auf den Sand legen, Objektiv auf Höhe des Seesterns, und das Riff im Hintergrund einbeziehen — das ergibt ein weitaus lebendigeres Bild. Kontraste suchen: ein blauer Seestern auf weißem Sand, auf einem roten Schwamm oder neben einer gelben Koralle.

Klassischer Fehler. Den Seestern greifen und an eine fotogenere Stelle setzen. Das ist der häufigste und schädlichste Fehler. Das gestresste Tier versteift sich, die Farben verblassen, und die Handlung richtet echten Schaden an — abgerissene Ambulakralfüßchen brauchen Wochen zur Regeneration. Das beste Foto ist immer das des Tieres an dem Ort, den es sich selbst ausgesucht hat.

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