Deutsch
DivingDeal.com

Quetzal

Pharomachrus mocinno

Der Goettervogel der Maya traegt eine meterlanges Smaragdschleppe — und bleibt eine der schwierigsten Sichtungen im Nebelwald.

Quetzal (Pharomachrus mocinno)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Trogonartigen, Familie der Trogone
Wissenschaftlicher NamePharomachrus mocinno (de la Llave, 1832)
Groesse36 cm (Koerper), bis zu 65 cm obere Schwanzdecken beim Maennchen (Gesamtschleppe: 1 m)
Gewicht180-210 g
GeschwindigkeitWellenfoermiger Flug, nicht gemessen — schnell und wendig zwischen den Baeumen
Lebenserwartung15-20 Jahre in Freiheit
TiefeLandtier — Nebenwaelder in 1.500-3.000 m Hoehe
ErnaehrungUeberwiegend frugivor — wilde Avocados (Lauraceae), kleine Fruechte, Insekten, Eidechsen
IUCN-StatusPotenziell gefaehrdet (NT)

PORTRÄT

Der Quetzal ist vermutlich der heiligste Vogel des amerikanischen Kontinents. Die Maya und die Azteken verehrten ihn als Verkoerperung von Quetzalcoatl, der gefiederten Schlange — einem Schoepfungs- und Windgott. Seine Schwanzfedern waren wertvoller als Gold: Einen Quetzal zu toeten wurde mit dem Tod bestraft. Heute ziert der Quetzal die Flagge und die Waehrung Guatemalas, dessen Nationalsymbol er ist.

Die Schoenheit des Vogels sprengt jede Beschreibung. Das Maennchen im Prachtkleid schillert smaragdgruen auf Ruecken, Kopf und Brust, mit einem karmesinroten Bauch. Der Kopf traegt eine Haube aus zerzausten gruenen Federn. Doch das spektakulaerste Merkmal ist die Schleppe — zwei verlaengerte obere Schwanzdeckfedern in Gruen und Blau, die beim Flug wie zwei Seidenbaender hinter dem Vogel wehen. Diese Federn koennen 65 cm messen und verdoppeln damit die Gesamtlaenge des Tieres.

Fuer den reisenden Taucher ist der Quetzal ein Hoehenbonus. Die Tauchziele Mittelamerikas (Belize, Honduras, Costa Rica) liegen alle in Reichweite der Nebenwaelder, in denen er lebt. Ein Tagesausflug zwischen zwei Tauchaufenthalten kann eine der denkwuerdigsten ornithologischen Beobachtungen weltweit bescheren.

WIE MAN IHN ERKENNT

Das Maennchen im Prachtkleid ist sofort identifizierbar — kein anderer Vogel Mittelamerikas vereint schillerndes Gruen, roten Bauch und ueberlaenge Schleppe. Im Flug ist die Silhouette einzigartig: Der kompakte Koerper verschwindet hinter den gruenen Baendern, die in der Luft wogen.

Das Weibchen ist dezenter: gruen auf dem Ruecken, grau an der Brust, mit einem stumpferen Rot am Bauch und ohne Schleppe. Der Kopf traegt eine reduzierte Haube. Die aeusseren Schwanzfedern sind schwarz-weiss gebaendert und im Flug sichtbar.

Der Schnabel ist kurz, breit und gelb — angepasst an das Greifen von Fruechten und das Aushoehoelen von Nisthoehlen in morschem Holz. Die Beine sind kurz und schwach (Trogone gehen fast nie zu Fuss). Die Iris ist dunkelbraun, umgeben von einem nackten Orbitalring.

Im Nebelwald wird der Quetzal eher gehoert als gesehen — ein sanfter, floetender, sich wiederholender Ruf in zwei absteigenden Toenen. Ortskundige Guides lokalisieren ihn am Klang und fuehren Besucher zum Fruchtbaum oder zur Nisthoehle. Ohne Guide ist die Beobachtung aeusserst schwierig — das schillernde Gruen verschmilzt mit dem Laub.

Für Untertitel auf Deutsch: starten Sie zuerst das Videoklicken Sie dann auf das Zahnradoben rechts im Video, wählen Sie „Untertitel“, dann „Automatisch übersetzen“ und schließlich „Deutsch“.

LEBENSWEISE

Der Quetzal lebt in den Nebenwaelder Mittelamerikas, zwischen 1.500 und 3.000 m Hoehe — ein nebliges, moosiges, kuehles (10-20 Grad Celsius) und permanent feuchtes Oekosystem. Diese Waelder gehoeren zu den bedrohtesten Lebensraeumen der Erde.

Die Ernaehrung wird von den Fruechten der Lorbeergewaechse dominiert — winzige Wildavocados, fuer deren Samenverbreitung der Quetzal einer der wichtigsten Akteure ist. Der Vogel verschluckt die Frucht ganz, verdaut das Fruchtfleisch und wuergt den intakten Kern weit entfernt vom Mutterbaum wieder aus. Diese oekologische Beziehung macht den Quetzal zu einem Schluesselakteur der Waldregeneration.

Die Brutzeit ist das Ereignis, das die Beobachtung ueberhaupt moeglich macht. Das Maennchen hoehlt ein Nest in einem morschen Baumstamm (oft ein stehender toter Baum) in 5-15 m Hoehe. Beide Partner wechseln sich bei der Bebruetung der 1-3 blassblauen Eier ueber 17-19 Tage ab. Die Schleppe des Maennchens, zu lang fuer die Hoehle, ragt aussen aus dem Loch heraus — ein fotografisch erstklassiges Schauspiel. Die Eltern fuettern die Kueken 3-4 Wochen lang mit Insekten, Eidechsen und kleinen Fruechten.

Der Quetzal unternimmt Hoehenwanderungen: Nach der Brutzeit (Maerz-Juni) steigt er in niedrigere Lagen ab (800-1.200 m), wo die Fruechte reichhaltiger sind. Dieses Verhalten erschwert den Schutz — die Nistplaetze zu sichern genuegt nicht, wenn der Ueberwinterungslebensraum zerstoert wird.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Monteverde — Costa Rica. Das Biologische Reservat Monteverde und seine Umgebung (Santa Elena, Curi-Cancha) sind der weltweit zugaenglichste Ort fuer Quetzal-Beobachtungen. Ortskundige Guides kennen die Fruchtbaeume und aktiven Nester, und die Erfolgsquote ist von Januar bis Mai hoch. Die Anfahrt von San Jose ist einfach (4 Stunden).

Biotopo del Quetzal — Guatemala. Das Reservat Mario Dary Rivera, genannt "Biotopo del Quetzal", in den Bergen von Baja Verapaz, ist der emblematische Standort des Landes. Die Wege fuehren durch intakten Nebelwald zwischen 1.800 und 2.300 m. Die Nistzeit (Maerz-Mai) ist am guenstigsten.

San Gerardo de Dota — Costa Rica. Das Tal von San Gerardo de Dota in der Cordillera de Talamanca gilt vielen Ornithologen als weltweit bester Quetzal-Standort. Die oertlichen Lodges (Savegre, Trogon Lodge) organisieren taegliche Ausfluege mit fachkundigen Guides. Die Erfolgsquote uebersteigt in der Saison 90 %.

Chiapas — Mexiko. Das Biosphaerenreservat El Triunfo und der Nationalpark Lagunas de Montebello im suedlichen Chiapas beherbergen bruetende Populationen. Weniger zugaenglich als Costa Rica, dafuer weniger besucht.

Honduras — Nationalpark La Tigra, Celaque. Die Nebenwaelder von Honduras beherbergen gesunde Populationen. Der Nationalpark Celaque (hoechster Punkt des Landes, 2.849 m) bietet gute Beobachtungsmoeglichkeiten.

BEOBACHTUNGSKALENDER

ReisezielJFMAMJJASOND
Monteverde (Costa Rica)
San Gerardo de Dota (Costa Rica)
Biotopo del Quetzal (Guatemala)
Chiapas (Mexiko)

Klicken Sie auf jede Schaltfläche zum Ein-/Ausblenden

Die Brutzeit (Februar-Juni) ist bei Weitem die beste Periode. Das Maennchen prasentiert seine Schleppe, die Paare sind ihrem Nest treu, und die Guides kennen die Standorte.

NATURSCHUTZ

Pharomachrus mocinno wird von der IUCN als Potenziell gefaehrdet (NT) eingestuft. Die Weltpopulation wird auf 20.000-50.000 Individuen geschaetzt, mit anhaltendem Rueckgang.

Die groesste Bedrohung ist die Zerstoerung der Nebenwaelder. Berglandwirtschaft (Kaffee, Avocados, Weideland) zehrt den Lebensraum in alarmierendem Tempo auf — ueber 50 % der mittelamerikanischen Nebenwaelder sind im 20. Jahrhundert verschwunden. Der Quetzal braucht durchgehende Waelder zwischen den Nistgebieten in der Hoehe und den tiefer gelegenen Futterplaetzen — die Fragmentierung unterbricht diese Korridore und isoliert die Populationen.

Wilderei fuer den illegalen Heimtierhandel existiert, ist aber marginal — der Quetzal ueberlebt in Gefangenschaft nur schlecht (daher der alte Maya-Glaube, er "zieht den Tod der Gefangenschaft vor"). Touristendruck am Nest ist eine aufkommende Bedrohung: Zu viele Besucher in der Naehe eines aktiven Nests koennen zur Aufgabe fuehren.

Organisationen:

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Einen Quetzal zu toeten wurde bei den Maya mit dem Tod bestraft. Quetzalfedern waren das wertvollste Tauschmittel im vorkolumbischen Mesoamerika — wertvoller als Gold oder Jade. Priester und Koenige trugen bei Zeremonien Kopfschmuck aus Quetzalfedern. Der Vogel wurde lebend gefangen, seiner langen Schwanzfedern beraubt (die nachwachsen) und freigelassen. Ihn zu toeten war ein Kapitalverbrechen. Der Kopfschmuck von Moctezuma II., aufbewahrt im Voelkerkundemuseum Wien, enthaelt ueber 400 Quetzalfedern.

2. Er ueberlebt nicht in Gefangenschaft — und die Maya wussten es. Der Quetzal stirbt fast immer in Gefangenschaft, in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen. Zuchtversuche in Zoos scheiterten jahrzehntelang. Die alten Maya deuteten dieses Verhalten als Verweigerung der Knechtschaft — der Quetzal verkoerperte die Freiheit. Die guatemaltekische Waehrung heisst Quetzal, und ein Sprichwort des Landes besagt: "Er zieht den Tod dem Kaefig vor."

3. Seine Schleppe waechst und faellt jedes Jahr — wie das Geweih eines Hirsches. Die spektakulaeren oberen Schwanzdeckfedern des Maennchens sind nicht dauerhaft. Sie wachsen vor der Brutzeit (ab Dezember), erreichen ihre maximale Laenge im Maerz-April und fallen nach der Brut ab (Juni-Juli). Das Maennchen verbringt den Rest des Jahres ohne seine Schleppe — und ist ohne sie ebenso unauffaellig wie das Weibchen. Dieser saisonale Zyklus erklaert, warum das Beobachtungsfenster so schmal ist.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Quetzal ist ein terrestrisches Motiv aus dem Nebelwald — die Regeln der Unterwasserfotografie gelten nicht, doch fuer den tauchenden Fotografen auf Landausflug sind einige Grundlagen wesentlich.

Objektiv. Teleobjektiv 400-600 mm (oder 100-400 mm mit Konverter). Der Vogel sitzt oft in 15-30 m Hoehe in der Krone. Ein Stativ oder Einbeinstativ stabilisiert den Bildausschnitt bei wenig Licht — der Nebelwald ist dunkel.

Licht. Der Nebelwald ist per Definition neblig und lichtarm. Hohe ISO-Werte (3.200-6.400), maximale Blendenoeffnung und das Korn akzeptieren, das Atmosphaere bringt. Die seltenen Sonnendurchbrueche durch den Nebel erzeugen spektakulaere Lichtflecken auf dem schillernden Gefieder. Das Gruen des Quetzals veraendert sich dramatisch mit dem Lichtwinkel — die Irideszenz erzeugt Reflexe in Gold, Blau und Smaragd auf ein und demselben Vogel.

Zeitpunkt. Die Fotosession am Nest ist die ergiebigste. Wenn das Maennchen bruetet, ragt seine Schleppe aus dem Loch und vibriert im Wind — ein ikonisches Bild. Die Rueckkehr zum Nest mit einer Frucht im Schnabel bietet die besten Flugaufnahmen. Ankunft am Nest bei Morgendaemmerung (5:30-6:30 Uhr) maximiert die Chance, den Morgenausflug einzufangen.

Ethik. Mindestens 15 Meter Abstand zum Nest. Kein direkter Blitz. Nie Klangattrappen (Tonaufnahmen des Rufs) in Nestnaehe einsetzen — das stoert die Brut. Den Anweisungen der oertlichen Guides folgen — sie kennen die Toleranzschwelle jedes Paares.

VERWANDTE ARTEN