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Kaiserpinguin

Aptenodytes forsteri

Der grosste Taucher im Frack uberlebt dort, wo alles andere erfriert.

Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Pinguine, Familie der Pinguine
Wissenschaftlicher NameAptenodytes forsteri (Gray, 1844)
GrosseBis zu 1,22 m aufrecht stehend — der grosste lebende Pinguin
Gewicht22 bis 45 kg je nach Saison (Mannchen zu Beginn der Brut: ~40 kg; am Ende: ~23 kg)
Geschwindigkeit6-9 km/h schwimmend; bis 15 km/h in der Spitze
Lebenserwartung15 bis 20 Jahre in freier Wildbahn (dokumentierter Rekord: ~50 Jahre in Gefangenschaft)
TiefeDokumentierter Rekord: 565 m — der am tiefsten tauchende Vogel der Welt
ErnahrungFische (vor allem Antarktischer Silberfisch), Krill, Kalmare
IUCN-StatusPotenziell gefahrdet (NT) — Population rucklaufig, verwundbar durch den Ruckgang des Meereises

PORTRAT

Es gibt keine Unterwasserbegegnung mit dem Kaiserpinguin. Man trifft ihn nicht auf einem Riff, man begegnet ihm nicht beim Schnorcheln in 28 Grad warmem Wasser. Man erreicht ihn am Ende der Welt, nach Tagen der Navigation durchs Eis — und genau das macht die Begegnung unvergesslich.

Aptenodytes forsteri lebt und brutet auf dem Packeis der Antarktis, in einer Umgebung, die jedes andere Wirbeltier dieser Grosse langst verlassen hat. Die Temperaturen sinken auf -60 Grad Celsius, die Winde erreichen 200 km/h, und die Polarnacht dauert vier Monate. In dieser weissen Holle hat der Kaiserpinguin beschlossen, seine Jungen aufzuziehen — eine evolutionare Entscheidung so unwahrscheinlich, dass sie den meistgesehenen Tierfilm der Kinogeschichte hervorbrachte: Die Reise der Pinguine (Luc Jacquet, 2005), gedreht an der Station Dumont-d'Urville in Adelieland.

Er ist auch der unangefochtene Champion des Tauchens unter den Vogeln. Ein Kaiserpinguin jagt gewöhnlich in 100 bis 300 Metern Tiefe, halt den Atem bis zu 22 Minuten an, und der dokumentierte Rekord — 565 Meter — bleibt in der Vogelwelt ohne Beispiel. Fur eine Tauchseite wie DivingDeal verdient das Tier einen Steckbrief aus diesem einfachen Grund: Kein menschlicher Taucher wird jemals so tief in Apnoe hinabsteigen.

WIE MAN IHN ERKENNT

Der Kaiserpinguin lasst sich mit keinem anderen Pinguin verwechseln, sofern man drei Dinge behalt: die Grosse, die Ohrflecken und die Silhouette.

Er ist zunachst der grosste aller Pinguine: Ein erwachsenes Tier ubersteigt 1,10 m und kann 1,22 m erreichen. Neben ihm wirkt ein Adeliepinguin mit seinen 70 cm wie ein kleiner Bruder.

Der Kopf ist schwarz mit zwei gelb-orangefarbenen Ohrflecken in Tropfenform, die stufenlos in das Weiss der Brust ubergehen. Das ist das Erkennungszeichen der Art: Der Konigspinguin (Aptenodytes patagonicus), sein nachster Verwandter, tragt ahnliche Flecken, die jedoch lebhafter gefarbt, scharfer abgegrenzt sind und zu einem langeren Schnabel gehoren.

Der Rucken ist blaugrau wie Schiefer, der Bauch reinweiss. Der Schnabel ist lang und fein, mit einem rosafarbenen bis orangefarbenen Unterschnabel. Die Fusse sind schwarz, kraftig, mit Krallen, die auf dem Eis greifen. Die Kuken sind silbergrau mit einer schwarz-weissen Gesichtsmaske — ein vollig anderes Kleid als das der Erwachsenen.

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LEBENSWEISE

Der Fortpflanzungszyklus des Kaiserpinguins gehort zu den extremsten im Tierreich. Wahrend alle anderen antarktischen Vogelarten im Sommer bruten, macht der Kaiser das Gegenteil: Er nistet mitten im Winter, auf dem Packeis, Dutzende Kilometer vom offenen Wasser entfernt.

Warum im Winter? Damit die Kuken gerade dann selbstandig werden, wenn das Packeis aufbricht und die Nahrung am leichtesten erreichbar ist — im Dezember-Januar, dem Hochsommer der Sudhalbkugel.

Der Zyklus beginnt im Marz-April. Die Erwachsenen verlassen das Meer und marschieren bis zur Kolonie — manchmal 50 bis 120 km uber das Eis. Die Paarung findet im April-Mai statt. Das Weibchen legt im Mai-Juni ein einziges Ei, ubertragt es dem Mannchen in wenigen Sekunden — ein kritischer Moment, in dem das Ei auf dem Eis in zwei Minuten erfrieren wurde --, und kehrt dann fur zwei Monate zum Meer zuruck, um sich zu ernahren.

Das Mannchen bleibt. Es bebrutet das Ei auf der Oberseite seiner Fusse, geschutzt durch eine Bauchfalte, die Brutfleck genannt wird. Wahrend 65 Tagen frisst es nichts. Es uberlebt von seinen Fettreserven und drangt sich mit den anderen Mannchen in einem Huddle zusammen — einer rotierenden Kreisformation, in deren Zentrum die Temperatur 37 Grad Celsius ubersteigen kann, wahrend es aussen -40 Grad Celsius hat. Am Ende der Brutzeit hat das Mannchen 40 % seines Gewichts verloren.

Im Meer ist der Kaiser ein beeindruckender Jager. Er taucht durchschnittlich 150 bis 250 Mal pro Tag, in gewohnlichen Tiefen von 100 bis 300 m, um Antarktischen Silberfisch, Krill und Kalmare zu fangen. Sein Hamoglobin bindet Sauerstoff effizienter als das jedes anderen Vogels, und er kann seine Herzfrequenz auf 15 Schlage pro Minute senken, um Sauerstoff zu sparen — ein Mechanismus, der als Tauchreflex-Bradykardie bezeichnet wird.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Der Kaiserpinguin ist kein Tier, dem man beim Tauchen begegnet. Man beobachtet ihn vom Deck eines Expeditionsschiffs, von einem Schlauchboot aus oder zu Fuss auf dem Packeis bei begleiteten Landgangen. Fur einen tauchenden Reisenden, der an Polarexpeditionen gewohnt ist, bleibt die Begegnung mit einer Kaiserpinguinkolonie jedoch eines der grossen Wildniserlebnisse des Planeten.

Antarktis — Snow Hill Island (Weddellmeer). Der zuganglichste Platz, um eine bruutende Kaiserpinguinkolonie zu beobachten. Die Kolonie von Snow Hill Island zahlt zwischen 4 000 und 8 000 Paare, die sich auf dem kustennahen Packeis niedergelassen haben. Der Zugang erfolgt per Helikopter vom Schiff aus — das Weddellmeer ist oft durch Eis blockiert und verbietet die direkte Annaherung per Schlauchboot. Das Zeitfenster ist eng: Ende Oktober bis Mitte November, wenn die Kuken noch auf den Fussen der Eltern liegen, aber Licht und Temperatur die Flugoperationen erlauben. Nur wenige Veranstalter bieten diese Expedition jahrlich an, und die Platze werden 12 bis 18 Monate im Voraus gebucht.

Antarktis — Rossmeer. Expeditionen im Rossmeer (Pazifikseite des Kontinents) passieren manchmal Kaiserpinguinkolonien, insbesondere am Kap Washington und am Kap Roget. Die Saison ist spater (Januar-Februar), und die Sichtungen sind weniger garantiert als auf Snow Hill. Dafur bietet das Rossmeer eine Landschaft von Packeis und Tafeleisberg, die zu den spektakularsten des Kontinents gehort.

Sudgeorgien. Sudgeorgien ist das Reich des Konigspinguins, nicht des Kaisers. Man trifft dort Hunderttausende von Konigspinguinen in Salisbury Plain und St Andrews Bay, doch der Kaiserpinguin nistet dort nicht. Die Insel ist jedoch ein klassischer Transitpunkt antarktischer Expeditionen, und vereinzelte Individuen werden manchmal gesichtet.

Falklandinseln. Gleiche Situation wie in Sudgeorgien: Esel-, Konigs- und Magellanpinguine dominieren. Der Kaiserpinguin ist dort aussergewohnlich — ein Irrgast alle paar Jahre.

Wichtiger Hinweis. Die Beobachtung von Kaiserpinguinen in der Kolonie gehort zu den am strengsten regulierten Erfahrungen des polaren Okotourismus. Das IAATO-Protokoll schreibt einen Mindestabstand von 5 Metern vor, verbietet es, sich zwischen ein Alttier und sein Kuken zu stellen, und begrenzt die am Standort verbrachte Zeit. Diese Regeln sind nicht verhandelbar.

BEOBACHTUNGSKALENDER

ReisezielJFMAMJJASOND
Antarktis (Snow Hill Island)
Antarktis (Rossmeer)
Sudgeorgien (Irrgaste)
Falklandinseln (Irrgaste)

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NATURSCHUTZ

Aptenodytes forsteri ist auf der Roten Liste der IUCN als Potenziell gefahrdet (NT) eingestuft, mit einem rucklaufigen Populationstrend. Einige Klimamodelle prognostizieren einen Zusammenbruch von 80 % der Population bis 2100, falls die Treibhausgasemissionen den aktuellen Trajektorien folgen — was den U.S. Fish and Wildlife Service dazu veranlasst hat, die Art 2022 unter den Endangered Species Act zu stellen.

Die Hauptbedrohung ist der Klimawandel, und genauer der Ruckgang des Meereises. Der Kaiserpinguin ist in jeder Phase seines Zyklus auf das Meereis angewiesen: zum Bruten (die Kolonie siedelt sich auf dem kustennahen Packeis an), zur Mauser (er braucht eine stabile Plattform wahrend der 34 Tage, in denen sein Gefieder nicht wasserdicht ist) und zur Nahrungssuche (der Krill, Basis der Nahrungskette, ist selbst in seinem Larvenzyklus vom Eis abhangig).

In den Jahren 2022 und 2023 erlebte die Antarktis Ruckgange des Meereises, die im Satellitenzeitalter beispiellos waren. Mehrere Kolonien erlitten einen vollstandigen Bruterfolgsausfall — das Eis brach auf, bevor die Kuken ihr wasserdichtes Gefieder entwickelt hatten, und Tausende von Jungvogeln ertranken. Die Kolonie von Halley Bay, die zweitgrosste der Welt mit rund 25 000 Paaren, verlor drei Jahre in Folge zwischen 2016 und 2019 nahezu alle ihre Kuken.

Die Art zahlt etwa 270 000 bis 280 000 Brutpaare, verteilt auf rund funfzig Kolonien rund um den antarktischen Kontinent. Sie ist durch den Antarktisvertrag und die CCAMLR geschutzt, doch diese Instrumente decken nicht die Hauptursache des Ruckgangs ab — die weltweiten CO2-Emissionen.

Organisationen, die man unterstutzen kann:

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Er taucht tiefer als die meisten Militaruuboote. Der dokumentierte Tauchrekord fur einen Kaiserpinguin liegt bei 565 Metern — tiefer als die Betriebstiefe mehrerer U-Boot-Klassen. Fur ein 40-kg-Tier, das die Luft anhalt, ist das eine physiologische Leistung ohne Beispiel: In dieser Tiefe betragt der Druck das 57-Fache des Oberflachendrucks, und der Vogel navigiert in vollliger Dunkelheit. Er schafft es dank massiver Knochen (nicht pneumatisiert, im Gegensatz zu denen fliegender Vogel), eines Hamoglobins mit sehr hoher Sauerstoffaffinitat und der Fahigkeit, Sauerstoff in seinen Muskeln zu speichern uber eine aussergewohnliche Konzentration von Myoglobin.

2. Der Huddle ist ein selbstorganisiertes kollektives Warmesystem. Wenn der Blizzard bei -40 Grad Celsius blast, drangen sich die brutenden Mannchen in einer Formation zusammen, die "Schildkrote" (Huddle) genannt wird. Die Struktur hat keinen Anfuhrer: Jeder Pinguin bewegt sich langsam zum Zentrum, und diejenigen, die am ausseren Rand stehen, werden schliesslich auf der anderen Seite absorbiert. Der gesamte Huddle bewegt sich mit etwa 5 cm pro Minute uber das Eis, wie ein einzelner Organismus. Im Inneren ubersteigt die Temperatur 37 Grad Celsius — ein Unterschied von uber 70 Grad zur Aussentemperatur. Physiker, die das Phanomen modelliert haben, vergleichen die Dynamik mit der eines konvektierenden Fluids.

3. Frankreich besitzt die am haufigsten gefilmte Kolonie der Welt. Die Forschungsstation Dumont-d'Urville in Adelieland beherbergt eine Kolonie von rund 3 000 Paaren, die seit 1952 wissenschaftlich uberwacht wird — die langste ununterbrochene Datenreihe uber die Art. Es ist diese Kolonie, die Luc Jacquet fur Die Reise der Pinguine (Oscar fur den besten Dokumentarfilm, 2006) filmte, und es ist anhand ihrer Daten, dass die ersten Projektionen zum Klimaeinfluss auf die Art berechnet wurden.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Kaiserpinguin ist kein Unterwassermotiv — man fotografiert ihn auf dem Eis, von einem Schlauchboot oder vom Deck des Schiffes. Doch die Herausforderungen sind real: extreme Kalte, tuckisches Licht und ein Motiv, das Sicherheitsabstande erfordert.

Objektiv. Ein Teleobjektiv 100-400 mm (oder 70-200 mm + Konverter) ist das Hauptwerkzeug fur Portrats aus dem vorgeschriebenen Mindestabstand von 5 Metern. Ein Weitwinkel 16-35 mm ist fur Stimmungsbilder unverzichtbar — die Kolonie vor der Eisbergkulisse, die Reihen marschierender Erwachsener auf dem Packeis. Fur Video ist ein Stabilisator nahezu obligatorisch: Das Schlauchboot schwankt, das Eis vibriert unter den Schritten, und der Wind schuttelt alles.

Licht. Die Antarktis ist eine Falle fur die Belichtungsmessung. Schnee und Eis reflektieren 80 bis 90 % des Lichts, und jeder Automatikmodus unterbelichtet das Motiv — der schwarz-weisse Pinguin wird grau auf grauem Grund. Um +1 bis +1,5 Blendenstufen gegenuber der Matrixmessung uberbelichten, oder im Spotmodus auf den weissen Bauch des Tieres messen und eine halbe Blende offnen. Gegen Ende des Tages liefert das flache goldene Licht auf dem Eis die spektakularsten Bilder.

Kalte. Lithium-Batterien verlieren bei -20 Grad Celsius bis zu 50 % ihrer Kapazitat. Ersatzbatterien am Korper tragen, unter der Jacke, und erst zum Fotografieren in die Kamera einsetzen. LCD-Bildschirme frieren ein und werden langsam — sich an das Fotografieren durch den optischen Sucher gewöhnen. Nackte Finger auf Metall bei -30 Grad Celsius bedeuten Erfrierungen in Sekunden: dunne Seidenhandschuhe unter Fausitlingen verwenden, den Faustling zum Auslosen abnehmen, sofort wieder anziehen.

Klassischer Fehler. Nur die Erwachsenen fotografieren. Die Kuken, in der Creche zusammengedrangt, die Interaktionen zwischen Eltern und Jungen, und vor allem die Details — die Eiubergabe, das Heraufwurgen, der rosafarbene Schnabel vor dem Hintergrund goldener Federn — erzahlen eine Geschichte, die das Standard-Ganzkörperfoto nicht einfangt.

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