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Beluga

Delphinapterus leucas

Der « Kanarienvogel der Meere »: weiß, stimmgewaltig und neugierig wie ein Delfin aus eisigen Gewässern.

Beluga (Delphinapterus leucas)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Wale, Familie der Gründelwale (Monodontidae)
Wissenschaftlicher NameDelphinapterus leucas (Pallas, 1776)
Größe3 bis 5,5 m (Männchen größer als Weibchen)
Gewicht700 bis 1.600 kg
Geschwindigkeit3 bis 9 km/h Reisegeschwindigkeit, Spitzen bis 22 km/h
Lebenserwartung35 bis 50 Jahre (einzelne Individuen über 70 Jahre)
TiefeOberfläche bis 700 m, gelegentlich über 1.000 m
ErnährungOpportunistischer Fleischfresser — Fische (Lodde, Kabeljau, Hering), Krebstiere, Kopffüßer, Meereswürmer
IUCN-StatusNicht gefährdet (LC) weltweit — die Population im Sankt-Lorenz-Strom ist jedoch vom Aussterben bedroht

PORTRÄT

Es gibt einen Wal, der singt, pfeift, schnalzt und zwitschert mit einer solchen Ausgelassenheit, dass ihn die Seeleute den « Kanarienvogel der Meere » tauften. Der Beluga ist der stimmgewaltigste aller Wale. Man hört ihn bisweilen durch den Schiffsrumpf hindurch, ganz ohne Hydrophon — ein Konzert aus Klicklauten, modulierten Pfiffen und Tönen, die bald an einen Vogel, bald an ein Kind erinnern. Dieses Repertoire ist keine Spielerei: Es dient der sozialen Kommunikation innerhalb von Gruppen, die mehrere Hundert Individuen umfassen können, und der Navigation per Echoortung in oft trüben und dunklen Gewässern.

Delphinapterus leucas — wörtlich « der weiße Delfin ohne Flügel » — ist der einzige Wal, der im Erwachsenenalter vollständig weiß ist. Neugeborene kommen grau-braun, manchmal schieferfarben zur Welt und hellen im Laufe der Jahre allmählich auf. Mit fünf bis sieben Jahren ist das Kleid einheitlich weiß geworden — eine wirkungsvolle Tarnung in einer Welt aus Treibeis und diffusem Licht. Diese Weiße, verbunden mit einer runden Silhouette ohne Rückenflosse, macht den Beluga auf den ersten Blick unverwechselbar — und zutiefst sympathisch.

Für Taucher ist der Beluga einer der zugänglichsten und neugierigsten Wale überhaupt. Im Sankt-Lorenz-Strom in Québec ermöglichen Schnorchelausflüge die Beobachtung aus wenigen Metern Entfernung, in kaltem, aber erstaunlich klarem Wasser. Die Belugas nähern sich von selbst, fasziniert von den Tauchern — sie drehen den Kopf, um einen anzuschauen, ändern ihren Kurs, um näher vorbeizuziehen, und vokalisieren so intensiv, dass man die Vibrationen in der Brust spürt. Churchill in Manitoba bietet im Sommer ähnliche Begegnungen im seichten Wasser der Hudson Bay, wo sich jeden Sommer Hunderte von Belugas zur Geburt versammeln.

WIE MAN IHN ERKENNT

Der Beluga gleicht keinem anderen Wal. Drei Merkmale unterscheiden ihn auf den ersten Blick: die einheitlich weiße Farbe des erwachsenen Tieres, das vollständige Fehlen einer Rückenflosse — ersetzt durch einen schlichten Rückenkamm — und ein runder, vorspringender Kopf, der für den Körper zu groß zu sein scheint.

In diesem Kopf sitzt die Melone, ein Fettorgan, das die Schallwellen der Echoortung bündelt und richtet. Beim Beluga ist die Melone beweglich: Das Tier kann ihre Form willentlich verändern, was ihm erstaunlich lesbare Gesichtsausdrücke verleiht — ein « Lächeln », ein « Stirnrunzeln », ein Schmollen. Der Beluga ist eines der wenigen Meeressäugetiere, deren Stimmung man im Gesicht ablesen kann.

Eine weitere Besonderheit, einzigartig unter den Walen: Der Beluga besitzt nicht verwachsene Halswirbel. Er kann den Kopf seitlich drehen und mit dem Hals nicken — eine Bewegung, die für einen Delfin oder einen Wal unmöglich wäre. Diese Flexibilität erlaubt ihm, in den flachen Gewässern der Flussmündungen zu manövrieren und den Grund nach Beute abzusuchen.

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LEBENSWEISE

Der Beluga ist ein geselliges Tier. Er lebt in Gruppen von zehn bis mehreren Hundert Individuen, gegliedert nach Alter und Geschlecht — Mütter und Jungtiere auf der einen Seite, erwachsene Männchen auf der anderen. Diese Gruppen finden sich jeden Sommer in denselben Flussmündungen und Küstenbuchten ein, mit bemerkenswerter Ortstreue: Ein Beluga kehrt sein Leben lang in dieselbe Flussmündung zurück, und seine Nachkommen nach ihm.

Die Sommermonate sind die Zeit der Häutung. Die Belugas reiben sich an den Kieseln der Untiefen, um ihre alte Haut abzustreifen — ein eindrucksvolles Schauspiel, wenn Dutzende weiße Tiere sich in nur einem Meter Wasser in der Gezeitenzone wälzen. Den Rest des Jahres wandern sie aufs offene Meer, der Kante des Packeises folgend und den Eisrinnen, die von den Strömungen geöffnet werden.

Die Fortpflanzung ist langsam. Die Tragzeit dauert vierzehn bis fünfzehn Monate, und ein Weibchen bringt nur etwa alle drei Jahre ein einziges Jungtier zur Welt. Das Junge bleibt zwei Jahre bei seiner Mutter, manchmal länger. Diese langsame Vermehrung macht die Populationen verwundbar — ein Rückgang lässt sich nur schwer ausgleichen, wenn jedes Weibchen in seinem ganzen Leben nur fünf oder sechs Jungtiere zur Welt bringt.

Der Beluga ist zudem verspielt. Feldbeobachtungen dokumentieren Verfolgungsspiele, den Austausch von Gegenständen (Algen, Holzstücke) und eine ausgeprägte Neugier gegenüber Menschen — insbesondere gegenüber Tauchern und Kajakfahrern. Er ist einer der wenigen Wale, die sich einem Boot freiwillig nähern, statt vor ihm zu fliehen.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Der Beluga ist ein arktisches und subarktisches Tier. Seine Populationen sind zirkumpolar verteilt, von Alaska über Kanada und Norwegen bis nach Russland und Grönland. Folgende Reiseziele bieten die besten Beobachtungsmöglichkeiten:

Churchill, Manitoba — Kanada. Die Welthauptstadt des Belugas. Jeden Sommer, von Juni bis September, steigen Tausende von Individuen den Churchill River hinauf und bevölkern die Mündung der Hudson Bay. Das Wasser ist flach, die Tiere sind neugierig — und Churchill ist einer der wenigen Orte weltweit, an denen man mit wilden Belugas schnorcheln kann. Lokale Veranstalter bieten Ausfahrten im Schlauchboot, Kajak und Trockenanzug an. Die Sicht ist bescheiden (2–5 m), doch die Nähe ist außergewöhnlich: Die Belugas kommen von selbst.

Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms — Kanada. An der Mündung des Saguenay lebt eine residente Population von rund 900 Belugas — die einzige nicht-arktische Population der Art. Die Beobachtung erfolgt per Boot ab Tadoussac oder Rivière-du-Loup, von Mai bis Oktober. Der Einstieg ins Wasser ist verboten: Diese Population gilt als vom Aussterben bedroht und steht unter strengem Schutz. Doch die Beobachtung von der Oberfläche ist bemerkenswert — die Belugas teilen dieselben Gewässer mit Finnwalen, Buckelwalen und Zwergwalen, ein einzigartiges Konzentrat an Artenvielfalt.

Spitzbergen — Norwegen. Der Spitzbergen-Archipel auf 78° nördlicher Breite beherbergt den gesamten Sommer über Belugas, von Juni bis September. Die Beobachtung erfolgt von Expeditionsschiffen aus, die zwischen Gletschern und Fjorden navigieren. Die Kulisse ist spektakulär — weiße Belugas vor blauen Gletscherfronten —, doch die Begegnungen sind zufällig, nicht garantiert. Bestimmte Fjorde im Nordwesten (Kongsfjorden, Krossfjorden) sind regelmäßige Durchgangsgebiete.

Weißes Meer — Russland. Das Weiße Meer, ein südlicher Arm des Arktischen Ozeans im Nordwesten Russlands, beherbergt eine sesshafte Belugapopulation. Die Solowezki-Inseln und das Kap Beluschi (wörtlich « Belugakap ») sind die historischen Beobachtungsstandorte, zugänglich von Juni bis August. Die touristische Infrastruktur ist begrenzt, doch die Konzentrationen sind eindrucksvoll — Dutzende von Tieren in ruhigem, flachem Wasser.

BEOBACHTUNGSKALENDER

ReisezielJFMAMJJASOND
Churchill (Kanada)
Sankt-Lorenz-Strom (Kanada)
Spitzbergen (Norwegen)
Weißes Meer (Russland)

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NATURSCHUTZ

Delphinapterus leucas ist auf der Roten Liste der IUCN weltweit als Nicht gefährdet (LC) eingestuft, mit einer geschätzten Population von 130.000 bis 150.000 Individuen. Doch dieser globale Status verbirgt lokal sehr unterschiedliche Realitäten.

Die Population des Sankt-Lorenz-Stroms ist vom COSEWIC (Kanada) als vom Aussterben bedroht eingestuft. Vor der kommerziellen Jagd im 20. Jahrhundert zählte sie rund 10.000 Individuen; heute sind es etwa 900, und der Rückgang ist nicht gestoppt. Die Population von Cook Inlet (Alaska) befindet sich in einer vergleichbaren Lage — rund 280 Individuen, rückläufig trotz Jagdverbot.

Die Bedrohungen variieren je nach Population: chemische Verschmutzung (die Belugas des Sankt-Lorenz-Stroms gehören zu den am stärksten belasteten Meeressäugern der Welt — PCB, Schwermetalle, Pestizide), Unterwasserlärm (der Schiffsverkehr stört unmittelbar die Kommunikation und Echoortung), Klimawandel (der Rückgang des Packeises setzt die Belugas neuen Raubfeinden aus, insbesondere den Orcas) sowie Lebendfänge für Aquarien — eine Praxis, die rückläufig, aber nicht verschwunden ist.

Der verantwortungsvolle Beobachter hält im Sankt-Lorenz-Strom einen Abstand von 400 Metern ein (kanadische Vorschrift), verfolgt niemals eine Gruppe, die sich entfernt, und stellt den Motor ab, wenn sich die Tiere von selbst nähern.

Organisationen zum Unterstützen:

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Er kann rückwärts schwimmen. Dank seiner breiten, beweglichen Brustflossen und seines flexiblen Halses ist der Beluga einer der ganz wenigen Wale, die rückwärts schwimmen können. Im seichten Wasser der Flussmündungen und in eisverstopften Rinnen macht diese Manövrierfähigkeit den Unterschied zwischen Nahrungssuche und Festsitzen. Kein Großer Tümmler und kein anderer Wal kann Vergleichbares.

2. Seine Melone verändert ihre Form in Echtzeit. Die Melone — die runde Wölbung auf der Stirn — ist nicht starr. Es handelt sich um ein Fettorgan, das der Beluga willentlich verformt, um Richtung und Frequenz seiner Schallaussendungen zu modulieren. Aus der Nähe betrachtet sieht man die Melone wogen, sich abflachen, sich aufblähen — als würde das Tier seine Töne « formen », bevor es sie aussendet. Diese Plastizität, einzigartig unter den Walen, erklärt zum Teil, warum der Beluga der Klangvirtuose des Ozeans ist.

3. Die Seeleute hörten ihn durch den Schiffsrumpf. Vor der Erfindung des Hydrophons wussten die Walfänger des 18. Jahrhunderts bereits, dass der Beluga « sang »: Seine Lautäußerungen, die ein Frequenzspektrum von 0,1 bis 120 kHz abdecken, durchdringen den Rumpf hölzerner Schiffe. Dieser Eigenschaft verdankt er den Beinamen « Kanarienvogel der Meere » — ein Name, der in den Logbüchern auftaucht, lange bevor sich die Wissenschaft für die marine Bioakustik zu interessieren begann.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Beluga ist ein gleichermaßen dankbares und anspruchsvolles Motiv. Seine weiße Farbe macht ihn in jedem Licht fotogen — doch die arktischen Bedingungen erschweren die Aufnahme.

Objektiv. An der Oberfläche (Boot, Kajak): Ein stabilisiertes 70–200 mm deckt die meisten Situationen ab. Die Belugas nähern sich oft bis auf wenige Meter, doch ein Zoom erlaubt es, Verhaltensweisen auf Distanz festzuhalten, ohne zu stören. Beim Schnorcheln in Churchill: Ein Weitwinkel (GoPro oder vergleichbar) ist die richtige Wahl — die Tiere kommen von selbst, die Schwierigkeit besteht darin, sie zu rahmen, wenn sie direkt vor einem sind.

Licht. Die Arktis im Sommer bietet über viele Stunden ein tiefes, goldenes Streiflicht (die Sonne geht kaum oder gar nicht unter). Unter Wasser hingegen ist die Sicht in den Flussmündungen oft auf 2–5 Meter begrenzt — Wasser voller Sediment und Phytoplankton. Gegenlicht unter Wasser funktioniert selten; seitliches Licht bevorzugen, das das Weiß des Belugas vor dem Grün des Wassers hervorhebt.

Annäherung. Der neugierige Beluga kommt von selbst. Ihn nicht verfolgen, nicht berühren, seinen Weg nicht versperren. Ruhig im Wasser verharren und das Tier kommen lassen — das ist die beste Methode und die einzig ethisch vertretbare. Gruppen mit Neugeborenen (dunkelgrau, eng an der Mutter) sind scheuer: Diesen Abstand respektieren.

Klassischer Fehler. Das Weiß überbelichten. Ein Beluga im vollen Sonnenlicht täuscht die Belichtungsmessung jeder Kamera: Das Gehäuse unterbelichtet den gesamten Rest, um die weiße Masse zu kompensieren. Mindestens +0,7 EV korrigieren oder manuell auf das Wasser statt auf das Tier belichten.

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