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Walhai

Rhincodon typus

Der grösste Fisch der Welt beisst nicht — er filtert.

Walhai (Rhincodon typus)

STECKBRIEF

KlassifikationOrdnung der Ammenhaiartige, Familie der Rhincodontidae
Wissenschaftlicher NameRhincodon typus (Smith, 1828)
GrösseBis zu 18 m (durchschnittlich beobachtet: 8-12 m)
GewichtBis zu 20 Tonnen
Geschwindigkeit~5 km/h im Reisemodus
Lebenserwartung100 Jahre und mehr (Schätzungen bis 130 Jahre)
TiefeOberfläche bis 1 900 m, meist jedoch zwischen 0 und 30 m beobachtet
ErnährungFiltriererPlankton, Fischeier, Krill, kleine pelagische Fische
IUCN-StatusStark gefährdet (EN) — Populationsrückgang von über 50 % in 75 Jahren

PORTRÄT

Es gibt Unterwasserbegegnungen, die einen Taucher für immer verändern. Die mit dem Walhai gehört dazu. Man ist nie ganz darauf vorbereitet: Da erscheint er im Blau, eine ruhige, überdimensionale Masse, das Maul anderthalb Meter weit geöffnet — und man begreift schlagartig, dass der grösste Fisch des Planeten nichts jagt. Er saugt an.

Rhincodon typus ist ein Filtrierer. Er gleitet langsam vorwärts, das Maul weit geöffnet, und siebt bis zu 6 000 Liter Wasser pro Stunde durch seine Kiemen, wobei er nur Plankton, Fischeier und kleine Krebstiere zurückhält, die den Hauptteil seiner Nahrung ausmachen. Das Tier ist für den Menschen völlig ungefährlich. Taucher, die ihm regelmässig begegnen, wissen das; wer ihm zum ersten Mal gegenübersteht, braucht in der Regel einige Sekunden, um sich davon zu überzeugen.

Sein blaugraues Kleid, übersät mit weissen Punkten und hellen Linien, zählt zu den markantesten Mustern des Ozeans. In weiten Teilen der spanischsprachigen Welt hat es ihm den Beinamen pez dama eingetragen — Damebrettfisch. Doch das Muster ist nicht nur ästhetisch: Es ist bei jedem Individuum einzigartig, wie ein Fingerabdruck, und Biologen nutzen es seit Jahren, um Populationen zu identifizieren und zu verfolgen.

WIE MAN IHN ERKENNT

Der Walhai lässt sich mit nichts verwechseln. Sein abgeflachter, breiter Kopf — von vorne betrachtet fast quadratisch — trägt ein endständiges Maul, ein seltenes Merkmal bei Haien, deren Maul normalerweise auf der Unterseite sitzt. Drei Längskiele verlaufen über jede Flanke. Die Schwanzflosse ist asymmetrisch, hoch und sichelförmig.

Unter Wasser fällt zunächst die schiere Grösse auf. Ein ausgewachsenes Tier von 10 Metern hat die Länge eines Stadtbusses. Ein Jungtier von 4 Metern übertrifft bereits die eines Familienautos. Der Bauch ist weiss, die Flanken mit einem Schachbrettmuster gezeichnet. Der Walhai ist der einzige Hai, der dieses Muster sowohl auf dem Rücken als auch an den Flanken zeigt — ein unverkennbares visuelles Erkennungszeichen, selbst in trübem Wasser.

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LEBENSWEISE

Der Walhai ist ein Nomade. Er legt Tausende von Kilometern zurück und folgt dabei Planktonblüten und Massenlaichangeboten von Fischen, den warmen Strömungen zwischen den Tropen folgend. Mit Satellitentelemetrie markierte Individuen haben den Atlantik überquert und mehr als 20 000 km in einem einzigen Jahr zurückgelegt.

Trotz seiner Grösse ist das Tier ein Einzelgänger. Die spektakulären Ansammlungen, die an bestimmten Punkten der Erde zu beobachten sind — manchmal Hunderte von Individuen —, sind nicht sozialer Natur: Es handelt sich um Nahrungs-Aggregationen, dort wo sich die Nahrung konzentriert (Auftriebsgebiete, Laichplätze von Fischen). Jeder Hai kommt zum Fressen, nicht zum Geselligsein.

Die Fortpflanzung bleibt weitgehend rätselhaft. Seit 1995 weiss man dank der Untersuchung eines vor Taiwan gefangenen Weibchens, dass die Art ovovivipar ist: Die Eier schlüpfen im Uterus der Mutter, die über 300 Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien tragen kann. Eine Geburt im offenen Meer wurde jedoch nie beobachtet, und die Kinderstuben bleiben unbekannt — eines der grossen Rätsel der Meeresbiologie.

WO MAN IHN BEOBACHTEN KANN

Der Walhai kommt in allen warmen Meeren der Erde vor, zwischen den Wendekreisen. Hier die Reiseziele, an denen die Chancen auf eine Begegnung am grössten sind, mit Tauchplätzen aus dem DivingDeal-Katalog:

Malediven — Ari-Atoll und Baa-Atoll. South Ari ist einer der wenigen Orte weltweit, an denen ortsansässige Walhaie das ganze Jahr über anzutreffen sind. Maamigili, Broken Rock und Ellaidhoo Hausriff bieten regelmässige Begegnungen. Im Baa-Atoll konzentrieren sich in der Hanifaru Bay von Juni bis November spektakuläre Aggregationen, wenn die Monsunströmungen Plankton in diese trichterförmige Bucht treiben. In Hanifaru ist nur Schnorcheln erlaubt — Gerätetauchen ist zum Schutz der Tiere verboten.

Rotes MeerÄgypten. Walhaie werden entlang der Südküste beobachtet, insbesondere rund um Elphinstone, Shaab Sataya (Marsa Alam) und in den Gewässern vor Sharm El Sheikh (Ras Nasrani, Shark Observatory). Die Sichtungen sind saisonabhängig und weniger vorhersehbar als auf den Malediven, doch die Sichtweiten im Roten Meer machen jede Begegnung unvergesslich.

MosambikTofo. Die Küste von Inhambane ist eine der letzten Bastionen der Art im westlichen Indischen Ozean. Manta Reef, Galleria und Praia da Rocha beherbergen Walhaie von November bis März, oft in Gesellschaft von Mantarochen.

Mexiko. Zwei Saisons, zwei Küsten. Auf der Halbinsel Yucatán (Isla Holbox, Isla Mujeres) gehören die Aggregationen von Juni bis September zu den grössten der Welt — Hunderte von Individuen, angelockt durch die Laichaktivitäten der Thunfische. An der Pazifikküste bietet La Paz (Baja California) eine Saison von Oktober bis April, mit einem Höhepunkt von Dezember bis Februar.

Philippinen — Oslob und Donsol. Oslob (Cebu) bietet nahezu garantierte Sichtungen das ganze Jahr über, die Praxis der Anfütterung ist dort jedoch umstritten. Donsol (Sorsogon), wilder und natürlicher, bietet eine Schnorchel-Saison von November bis Juni.

Thailand — Koh Tao und Andamanensee. Southwest Pinnacle (Koh Tao), Koh Bon und Richelieu Rock (Similans) sind die historischen Hotspots. Die Sichtungen konzentrieren sich auf März bis Juni und September bis November.

Galápagos — Wolf und Darwin. Von Juni bis November empfangen diese Inseln am Ende der Welt trächtige Weibchen von beeindruckender Grösse — manchmal über 14 Meter. Tauchen für Fortgeschrittene, starke Strömungen.

BEOBACHTUNGSKALENDER

ReisezielJFMAMJJASOND
Malediven (Ari-Atoll)
Rotes Meer (Ägypten)
Mosambik (Tofo)
Mexiko (Yucatán)
Mexiko (La Paz)
Philippinen (Donsol)
Thailand (Similans)
Galápagos (Wolf/Darwin)
Indonesien (Cenderawasih)
Tansania (Mafia Island)

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NATURSCHUTZ

Rhincodon typus wird auf der Roten Liste der IUCN als Stark gefährdet (EN) eingestuft. Seine weltweite Population ist in 75 Jahren um mehr als 50 % zurückgegangen — im Indo-Pazifik sogar um 63 %. Die Art ist seit 2002 in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) und in der Bonner Konvention (CMS) gelistet.

Die Bedrohungen sind vielfältig: gezielte Bejagung wegen Fleisch und Haiflossen in Teilen Asiens, unbeabsichtigte Fänge (Beifang) in Netzen der industriellen Fischerei, Kollisionen mit Schiffen sowie die Degradierung küstennaher Lebensräume. Schlecht regulierter Tourismus — Anfütterung, Belästigung, Überfüllung durch Boote — stellt einen wachsenden Druck auf die Aggregationsgebiete dar.

Der verantwortungsvolle Taucher hält einen Abstand von 3 Metern ein, berührt das Tier niemals und verzichtet auf Blitzlicht. Diese einfachen Regeln machen den Unterschied zwischen einer respektvollen Beobachtung und einer Störung.

Organisationen, die man unterstützen kann:

3 DINGE, DIE SIE WAHRSCHEINLICH NICHT WISSEN

1. Er hat 3 000 Zähne — und benutzt sie nie. Das Maul des Walhais trägt rund 3 000 winzige Zähne, angeordnet in 300 Reihen. Bei der Nahrungsaufnahme spielen sie keinerlei Rolle: Das Tier filtert seine Nahrung über die Kiemen, nicht mit den Zähnen. Ihre Funktion wird noch diskutiert — möglicherweise ein evolutionäres Überbleibsel, vielleicht eine Rolle bei der Balz, die bisher nie beobachtet wurde.

2. Seine Augen sind gepanzert. Anders als die meisten Haie besitzt der Walhai keine Nickhaut zum Schutz seiner Augen. Stattdessen hat ihm die Evolution eine einzigartige Panzerung verliehen: Die Oberfläche jedes Augapfels ist mit Hautzähnchen bedeckt — denselben Schuppen, die auch seine Haut auskleiden. Zudem kann er die Augen bei Gefahr in die Augenhöhle zurückziehen.

3. Ein einziger Wurf, 300 Junge — und man weiss immer noch nicht wo. 1995 trug ein vor Taiwan gefangenes Weibchen 304 Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Es ist die einzige direkte Beobachtung eines Walhaiwurfs, die je dokumentiert wurde. Dreissig Jahre später hat man weder die Geburtszonen identifiziert noch eine Geburt auf offener See beobachtet. Neugeborene (40-60 cm) tauchen an bestimmten Stellen auf, doch die Kinderstuben bleiben unauffindbar.

FOTO- UND VIDEOTIPPS

Der Walhai ist vermutlich das spektakulärste und zugleich zugänglichste Unterwassermotiv. Seine Langsamkeit und seine Grösse machen die Aufnahme technisch unkompliziert — vorausgesetzt, man lässt sich nicht von der Emotion überwältigen.

Objektiv. Weitwinkel ist Pflicht. Im Gehäuse: 10-17 mm Fisheye oder 14 mm Rectilinear. Mit GoPro oder vergleichbarer Kamera: Das native Sichtfeld reicht vollkommen, und stabilisiertes 4K-Video liefert hervorragende Ergebnisse.

Licht. In der Tiefe, in der man den meisten Walhaien begegnet (0-15 m), reicht natürliches Licht völlig aus. Blitz oder Lampen sind nur für Nahaufnahmen der Hautmuster nützlich. Für eine Gesamtaufnahme des ganzen Tieres liefert Gegenlicht (Sonne im Rücken des Fotografen) die klarsten Bilder.

Annäherung. Parallel zum Tier schwimmen, leicht unterhalb seiner Achse, in 3-4 Metern Abstand. Nie von oben nähern (Raubtierhaltung) und sich nicht vor das Maul stellen. Das Tier schwimmt mit 5 km/h — ein kräftiger Flossenschlag erlaubt es, ihm zu folgen, aber nicht, es einzuholen, wenn es beschleunigt.

Klassischer Fehler. Alles auf einmal ins Bild bekommen wollen. Ein 10 Meter langer Walhai passt auf 2 Meter Entfernung in kein Bild, nicht einmal mit Fisheye. Besser ist es, sich zu entscheiden: entweder das Porträt (Kopf und erste Brustflosse) oder die Gesamtansicht (Abstand 5-6 m, ganzes Tier mit Taucherschattenbild als Grössenvergleich).

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